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Ambulante Versorgung der Zukunft

Teil 3: Lernen von anderen Ländern
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Im ersten Teil dieser Serie ging es um die Herausforderungen der Demografie in der ambulanten Versorgung. Teil zwei widmete sich neuen Versorgungskonzepten. Im dritten Teil richten wir nun den Blick auf Lösungskonzepte im ambulanten Bereich in Ländern mit vergleichbarer Bevölkerungsproblematik. Wir stellen auszugsweise die Länder Japan, Schweiz und Schweden vor.

Japan – mehr Lebensqualität durch KI
In der Industrienation Japan sind bereits 127 Millionen Einwohner (was einem Viertel der Bevölkerung entspricht) 65 Jahre und älter. Die Lebenserwartung (m/w) beträgt durchschnittlich 84 Jahre. Aufgrund steigender Gesundheitsausgaben und des Fehlens von Hausärzten als erste Anlaufstelle (den Erstkontakt übernehmen Fachärzte) verfolgt das Gesundheitsministerium mehrere Strategien zur Kosten­senkung. Einen Ansatzpunkt stellt die Erhöhung der Generikaimporte von derzeit 66 Prozent auf 80 Prozent dar. Ein weiterer Ansatz sind intelligente Möbel und Künstliche Intelligenz (KI). Sie soll nicht nur pflegen und reden, sondern vor allem die Lebensqualität von Senioren erhöhen. So ist vorstellbar, dass sich die Anzahl der Facharztbesuche senken lässt, da zum Beispiel die Medikamentenabgabe und Blutdruckmessung durch die KI erledigt werden.

Schweiz – EPD, Wearables und Shop-in-Shop
Die Schweiz gilt derzeit als Spitzenreiter bei der Lebenserwartung. Frauen werden 83,7 Jahre und Männer 81,7 Jahre alt. Auch hier erhöht sich die Bevölkerung der über 65 Jährigen bis 2045 von derzeit 1,5 Mio auf 2,69 Mio. Die Ärztedichte im ambulanten Sektor lag 2017 bei 222 Ärzten je 100.000 Einwohner. In Deutschland sind es mit 418 Ärzten je 100.000 Einwohner fast doppelt so viele. Zur optimierten Patientenbehandlung und Kostensenkung wird auch hier der Digitalisierung viel Potenzial zugesprochen. Jeder Dritte Schweizer (70 Prozent) ist im Besitz von Wearables, die er online auswertet und mit diesem Wissen seinem Arzt gegenüber tritt. Zusätzlich erhält der Patient Informationen zu Wechselwirkungen von Medikamenten oder Therapieempfehlungen. Es wird derzeit geprüft und ist zu bedenken, ab wann eine App rechtlich als Medizinprodukt eingestuft wird.

Außerdem wurde 2017 das Elektronische Patientendossier (EPD) per Gesetz eingeführt und soll für alle Leistungserbringer bis 2022 zugänglich sein. Es stellt das Pendant zur Elektronischen Patientenakte dar, welche im Jahr 2021 bei uns eingeführt wird. Hier kann der Patient Zugriffsrechte erteilen und Daten selbst ergänzen. Jedoch ist Ärzten und Apothekern die Teilnahme freigestellt.

Zu guter Letzt mischt nun auch noch der Lebensmittelhersteller »Migros« im Gesundheitsmarkt mit. Im firmeneigenen Gesundheitsfinder lassen sich Kliniken und Gemeinschaftspraxen anzeigen, Fitness- und Golfangebote können online über iMpuls gefunden werden und die »Zur Rose«-Versandapotheke agiert als Shop-in-Shop-Apotheke in der Migros Filiale. Diese sind im Gegensatz zu den deutschen Center-Apotheken nicht eigenständig.

Schweden und das Sjunet
Auch Schwedens Lebenserwartung ist beachtlich. Frauen erreichen 84,1 Jahre und Männer 80,4 Jahre. Obwohl es in Schweden nur eine Krankenkasse gibt, da das Gesundheitswesen staatlich organisiert ist und freie Arztwahl herrscht, liegt die Anzahl der Arztkontakte nur bei etwa drei im Jahr (vgl. Deutschland 9,7). Die »värdcentralen« lokalen Gesundheitszentren sind vorherrschend. Hier trifft man neben Hausärzten auch Krankenschwestern. Diese haben eine 5-jährige universitäre Ausbildung hinter sich und entscheiden über die Kontaktaufnahme des Patienten zum Arzt. Da lange Wartezeiten bemängelt wurden, gilt seit 2005 die Regel »0-7-90-90«. 0 = freier Zugang aller Bürger, maximal 7 Tage bis man einen Termin beim Allgemeinarzt erhält und weitere 90 Tage für einen Facharzttermin beziehungsweise 90 Tage bis zum Behandlungsbeginn.

Um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, gehören in Schweden Video-Sprechstunden beispielsweise für allgemein und speziell dermatologische Untersuchen per Video zum AlltagKrankenschwestern beraten über Telefonhotlines und in Virtual Care Rooms erfolgt die Anleitung zum Blutdruckmessen. Der gesamte Austausch medizinischer Daten erfolgt über das Sjunet, welches parallel zum Internet existiert. Hierüber können Patienten zum Beispiel seit 2011 ihre elektronische Patientenakte einsehen und Zugriffe erteilen. Hausärzte und Klinikmitarbeiter können dann Einträge vornehmen. Bereits 95 Prozent der Rezepte werden über das Sjunet digital abgewickelt mit einer Verfügbarkeit in allen Apotheken des Landes.

Zwischenfazit: Digitale Lösungen in Deutschland sind langsamer
Der Megatrend der Digitalisierung ist im Alltag angekommen. Firmen wie Apple, Google und Facebook haben das Potenzial im Gesundheitssektor erkannt und mischen mit:
Die Applewatch erkennt per EKG Anzeichen von Vorhofflimmern und Google brachte bereits 2014 Gesundheits-Apps für Wearables, Tablets und Smartphones heraus. Es wird prognostiziert, dass der Digital-Health-Markt 2020 ein Umsatzvolumen von mehr als 200 Milliarden US-Dollar überschreiten wird.

Inwieweit der ambulante Sektor neue Formen adaptiert, ist noch ungewiss. So standen zwei Drittel der niedergelassenen Ärzte im Jahr 2015 einer Videokonferenz mit dem Patienten kritisch gegenüber. Bei der Option zu Videokonsilen mit Kollegen, Apotheken oder Pflegediensten hingegen, lag die Ablehnungsquote nur noch bei einem Drittel. Die Bereitschaft zur Teilnahme könnte durch gesetzliche Verpflichtungen beeinflusst werden. 
Unabhängig davon ist es eindeutig, dass jedes Land sein Augenmerk auf digitale Unterstützung im ambulanten Sektor legt. Japan in Form der KI, die Schweiz durch das EPD und Schweden mithilfe des parallel existierenden Sjunets.

Die Einführung von digitalen Lösungen in Deutschland findet mit einer etwas langsameren Geschwindigkeit statt. Zwar gibt es seit Januar 2019 die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) in Hamburg im Zuge eines bereits seit 2 Jahren laufenden Modellprojektes aus Schleswig-Holstein. Ab 2020 kommt das E-Rezept hinzu, 2021 die elektronische Patientenakte (ePA). Alles soll mobil verfügbar und zwischen verschiedenen Leistungserbringern und Endgeräten austauschbar sein.

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01.11.2019
Sabrina Litwinski

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Diplom Kauffrau, MPH
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