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So ändert sich die Wirtschaftslage 2019

Die Treuhand Hannover prognostiziert für 2019, dass Umsatzzuwächse durch steigende Wareneinsätze und höhere Personalkosten ausgeglichen werden. Die geplanten Maßnahmen der Politik sorgen betriebswirtschaftlich nur für ein geringes Plus, lassen aber viele Fragen offen.
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In den letzten Jahren sind die Apothekenumsätze konstant gestiegen (siehe Tabelle 1). Für 2019 gibt es keine Anzeichen für eine Trendwende, denn die dem Wachstum zugrundeliegenden Entwicklungen gehen weiter. Ein großer Teil ist auf den Struktureffekt von teuren, innovativen Therapien zurückzuführen. Dies spiegelt sich in den Rahmenvorgaben für Arzneimittelausgaben zwischen GKV-Spitzenverband und KBV für 2019 wieder, die eine Steigerung von 3,7 Prozent vorsehen. Somit können die Ärzte bis zu 1,4 Milliarden Euro mehr verordnen. Dazu spielen beim Umsatzwachstum die Umverteilung durch Schließungen sowie »Saisoneffekte« bei OTC und Freiwahl eine Rolle. Auf der anderen Seite geht das Wachstum des Arzneimittelversandhandels zu Lasten des Offizin-Umsatzes. Solange kein RX-Versandverbot kommt, werden die Versandhändler durch die Reformpläne von Gesundheitsminister Jens Spahn nur wenig eingeschränkt. Daher werden sie weitere Marktanteile gewinnen, allerdings in gemäßigtem Tempo.

Wareneinsätze werden prozentual steigen
Die Wareneinsätze sind in der Vergangenheit parallel zur Umsatzentwicklung ebenfalls gestiegen. Dies liegt vor allem an der steigenden Hochpreisigkeit und der damit verbundenen Verteuerung der Verordnungen. Die vom Gesetzgeber angekündigte bessere Vergütung von BTM würde zu einer Rohgewinnsteigerung führen, allerdings nur im Bereich von 1,- bis 1,50 Euro je Abgabe. Spürbarer wären Vergütungskürzungen der Großhändler, welche derzeit nur punktuell erfolgen, aber ausgedehnt werden könnten. Aus allen diesen Gründen rechnen wir mit sinkenden Rohgewinnen im Verhältnis zum Umsatz. Allerdings könnten die absoluten Rohgewinne dank der Umsatzsteigerungen konstant bleiben oder bei günstigen Umständen sogar, wie in den vergangenen Jahren, steigen.

Positive und negative Effekte halten sich die Waage
Die Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre haben, ebenso wie der Trend zu übertariflicher Bezahlung, die Personalkosten steigen lassen. Die letzte Tariferhöhung vom 1. September 2018 wird sich noch bis Mitte 2019 in den Zahlen der Apotheken kostenerhöhend niederschlagen. Die weiteren Ausgaben der Apotheken sind seit Jahren stabil. Somit gehen wir für die Branche von steigenden Gesamtkosten aus, die aber fast ausschließlich auf höhere Personalkosten zurückzuführen sind.

Daher steht der Branche eine recht unveränderte betriebswirtschaftliche Lage bevor, das Betriebsergebnis 2019 wird sich nahe dem Niveau des Vorjahres bewegen. Die von Jens Spahn avisierte Verdoppelung der Notdienstpauschalen und die Zusatzhonorare für pharmazeutische Dienstleistungen würden als Zuschüsse zwar generell ein Gewinnplus bringen. Da diese aber frühestens ab Mitte 2019 wirken, wird deren Ergebnisbeitrag gering sein.

Langfristige Herausforderungen für die Branche
Langfristig steht die Branche vor großen Herausforderungen. Wie sichert man die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln? Wie lockt man Mediziner in ländliche Regionen? Wie gestaltet man die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen, wie das eRezept? Welche Möglichkeiten gibt es, bei dem grassierenden Personalmangel gute Mitarbeiter zu bekommen und zu binden? Auf der einen Seite hat der Einzelne vor Ort erhebliche betriebswirtschaftliche Gestaltungsspielräume, um diesen Entwicklungen zu begegnen. Es findet derjenige Personal, der eine moderne, gut organisierte Apotheke führt, in Führungs- und Managementqualitäten, in Aus- und Weiterbildung investiert. Wer sich schon heute digital engagiert, wird sich in einer kommenden Welt mit eRezept und Gesundheitstelematik einfacher zurechtfinden. Auf der andern Seite müssen die Organisationen der Apothekerschaft und die Politik die Betriebe vor Ort bei diesen Zukunftsaufgaben durch vorausschauende Gestaltung von Rahmenbedingungen unterstützen. 

Kurzfristige Reformen sorgen für Unsicherheit
Die Reformvorhaben der Politik bieten leider wenig Antworten auf die Zukunftsfragen, denn sie justieren nur an einzelnen Stellen die Rahmenbedingungen nach, lassen aber viele Fragen offen.

  • Die Rx-Boni sollen für die Auslandsapotheken bis zu 2,50 Euro je Rx-Packung erlaubt werden, steigt der Marktanteil der EU-Auslandsapotheken auf fünf Prozent, soll eine Überprüfung erfolgen. Es ist fraglich, ob diese Regel rechtlich stabil ist. Wahrscheinlich wird es Akteure geben, die bewusst dagegen verstoßen, um Musterprozesse anzustoßen.
  • Offizin-Apotheken sollen im Wettbewerb mit Versendern durch einen Set weiterer Maßnahmen gestärkt werden: So soll das »Makeln« von Rezepten verboten werden. Krankenkassen soll untersagt werden, mit Apotheken Einzelverträge mit abweichenden Preisen abzuschließen und Versicherte zum Auslandsbezug zu animieren. Außerdem soll der Botendienst als Alternative zum Versandbezug »ausgebaut« werden. Wie »wertvoll« dieser Schutz ist und wie es sich in der Praxis niederschlägt, ist unsicher.
  • Ob die Apotheken von einem geplanten Honorartopf für zusätzliche Dienstleistungen profitieren, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Welche Dienstleistungen werden wie vergütet? Stehen Aufwand und Honorar im Verhältnis? Wie schnell werden Rahmenverträge geschlossen? Es scheint, dass für Euphorie kein Anlass ist: Mit 32 Cent Zusatzfixum je Packung können bei Arbeitgeberkosten von 50 Euro pro Personalstunde rein rechnerisch je Apotheke 256 Stunden pro Jahr, also knapp 5 Stunden je Woche, an zusätzlichen pharmazeutischen Dienstleistungen bezahlt werden. Das ist bei einer Versorgungsdichte von rund 4.000 Einwohnern je Apotheke »überschaubar«. Und es wirft die Frage nach den benötigten Personalressourcen auf.
30.01.2019
Dr. Frank Diener - Treuhand Hannover

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