• {{label}}

Vermietung an Angehörige – Ermittlung der ortsüblichen Miete

Wohnungen werden an nahe Angehörige oftmals günstiger vermietet als an Fremde. Die verbilligte Vermietung insbesondere an Kinder, Enkelkinder oder Eltern kann zu erheblichen Steuervorteilen führen.
element_image

Beträgt die vereinbarte Warmmiete seit 1. Januar 2021 mindestens 50 Prozent (bisher 66 Prozent) der ortsüblichen Miete, gilt die Vermietung als vollentgeltlich und erlaubt so dem Vermieter den vollen Werbungskostenabzug, beispielsweise für Finanzierungszinsen oder Renovierungskosten.

Liegt die vereinbarte Miete hingegen unter 50 Prozent der ortsüblichen Miete, sind die Werbungskosten nur anteilig abziehbar. Der Vermieter darf die Aufwendungen nur in Höhe der Quote der gezahlten Miete als Werbungskosten abziehen.

Ermittlung der maßgeblichen ortsüblichen Miete
Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte sich in einem aktuellen Urteil mit der Frage zu beschäftigen, wie die ortsübliche Miete, welche für den Werbungskostenabzug bei den Vermietungseinkünften eine entscheidende Rolle spielt, zu ermitteln ist.

Die Klägerin vermietete seit 2015 eine 57 Quadratmeter große Wohnung in Thüringen an ihre Tochter zu einer Miete von 300 Euro monatlich zuzüglich einer Nebenkostenpauschale von 70 Euro. Die Tochter trug die monatliche Abschlagzahlung für den Strom in Höhe von 49 Euro. Eine weitere gleich große Wohnung im selben Haus vermietete die Klägerin an einen Fremdmieter für monatlich 500 Euro zuzüglich einer Nebenkostenpauschale von 78 Euro. Das Finanzamt erkannte die Werbungskosten für die an die Tochter vermietete Wohnung nur im Umfang von 64,01 Prozent an. Hierbei ging es von einer ortsüblichen Miete von 578 Euro aus, so dass die von der Tochter gezahlten 370 Euro weniger als 66 Prozent hiervon, nämlich 64,01 Prozent, betrugen.

Dieser Berechnungsweise erteilte der BFH jedoch eine Absage. Im Streitfall, so der BFH, darf die ortsübliche Miete nicht aus der anderen von der Klägerin vermieteten Wohnung abgeleitet werden. Vielmehr muss zunächst der örtliche Mietspiegel herangezogen und bei der Höhe der gezahlten Miete auch die von der Tochter gezahlte Abschlagzahlung für den Strom berücksichtigt werden, da es sich insoweit um einen abgekürzten Zahlungsweg handelt. Die gezahlte Miete betrug damit 419 Euro (300 Euro + 70 Euro + 49 Euro). Der BFH verwies die Sache zur weiteren Aufklärung an das Finanzgericht zurück.

Fazit: Die zu Grunde zu legende ortsübliche Marktmiete ist stets aus dem vorhandenen Mietspiegel (und zwar im Fall einer Bandbreite aus dem unteren Rahmen) abzuleiten, es sei denn, der Mietspiegel weist substanzielle Mängel auf.

Gibt es keinen Mietspiegel oder ist er nicht verwendbar, kann die ortsübliche Miete mithilfe eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder durch Auskunft aus einer Mietdatenbank oder unter Heranziehung mindestens dreier vergleichbarer Wohnungen ermittelt werden. Jede dieser drei letztgenannten Ermittlungsarten ist grundsätzlich gleichrangig.

15.07.2021
Franz Nicolas Keil

Kontakt

Haben Sie Fragen oder wünschen Sie weitere Informationen?

Franz Nicolas Keil
Steuerberater
Telefon: 0511 83390 -383
Fax: 0511 83390 -475
E-Mail schreiben

Standorte

Sie möchten direkten Kontakt mit einer unserer über 30 Niederlassungen aufnehmen?

Niederlassung finden

Treuhand-Newsletter

Sie möchten über die aktuellsten Beiträge in unserem MAGAZIN und über weitere Neuigkeiten informiert werden?

 

Newsletter-Anmeldung

Zum Seitenanfang
Cookie-Einstellungen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugten Cookie-Einstellungen

Details zu den Cookies

Notwendige Cookies
Notwendige Cookies sind erforderlich, um die Webseite nutzbar zu machen. Diese Cookies ermöglichen grundlegende Funktionen wie beispielsweise die Seitennavigation und den Zugriff auf sichere Bereiche der Webseite. Ohne diese Cookies kann die Webseite nicht ordnungsgemäß funktionieren.

Tracking-Cookies
Tracking-Cookies werden verwendet, um das Nutzerverhalten auf der Website erfassen zu können. Diese Informationen werden genutzt, um das Nutzererlebnis stetig zu optimieren und Reibungspunkte oder mögliche Fehler zu verhindern.

Cookie-Historie