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Die Corona-Prämie – schlichte Sonderzahlung oder eine Option mit viel Gestaltungsspielraum

Seit fast vier Monaten befinden wir uns in der »Corona-Pandemie«. Mittlerweile treten die ersten Lockerungen in Kraft, in der Hoffnung, das Schlimmste überstanden zu haben.
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Einige unserer Mandanten sprechen zum Teil von einer »Corona-Depression«, die derzeit eintritt. Was damit gemeint ist: Nach der anfänglichen Unsicherheit, wie mit der Situation umzugehen ist, folgte bei vielen Apothekern eine Phase des hohen Engagements aller Beteiligten. Das hat viel Durchhaltevermögen und Kraft gekostet. Die derzeitigen Lockerungen führen zu einer gewissen Entspannung, aber auch zu einem Nachlassen der Motivation und des Einsatzes der letzten Zeit. Viele Unternehmer haben bereits ihre Wertschätzung für den hohen Einsatz an ihre Mitarbeiter weitergeben. Andere wiederum finden jetzt die Zeit, sich darüber überhaupt einmal Gedanken zu machen. Dabei kann die folgende Maßnahme der Bundesregierung sicherlich eine gute Möglichkeit sein.

Am 04.04.2020 verkündet das Bundesministerium für Finanzen folgende Pressemitteilung:

»Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können ihren Beschäftigten nun Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei auszahlen oder als Sachleistungen gewähren. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Beschäftigten zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 erhalten. Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen bleiben hiervon unberührt. Die Beihilfen und Unterstützungen bleiben auch in der Sozialversicherung beitragsfrei.

Mit der Steuer- und Beitragsfreiheit der Sonderzahlungen wird die besondere und unverzichtbare Leistung der Beschäftigten in der Corona-Krise anerkannt.«

Die Zahlung von Prämien oder anderen Zuwendungen ist grundsätzlich nichts Neues. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Entscheidung der Regierung, die kurzfristig getroffen wurde und deren Nutzung zeitlich begrenzt ist und deren Hintergrund der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie geschuldet ist.

Pressemitteilung
Schaut man sich die Pressemitteilung genauer an, wird anhand einiger Passagen deutlich, worin die Besonderheiten dieser Prämie liegen.

Mit »Beschäftigten« sind hier alle Mitarbeiter im Unternehmen gemeint ohne bestimmte Eingrenzungen, wie es gelegentlich im Steuerrecht erfolgt. Das bedeutet, es ist für jeden Mitarbeiter möglich, die volle Corona-Prämie zu erhalten, unabhängig davon, ob sie oder er zum Beispiel voll- oder teilzeit arbeitet, ob sie oder er geringfügig beschäftigt ist oder ob eine bestimmte Dauer der Betriebszugehörigkeit vorliegt.

Das Bundesfinanzministerium erlaubt mit der Corona-Prämie eine Zuwendung in einer Höhe bis zu 1.500 Euro. Diese darf zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 an den Arbeitnehmer geleistet werden. Grundsätzlich ist diese Prämie freiwillig und der Arbeitgeber ist nicht gezwungen sie überhaupt zu leisten. Lediglich die Maximalhöhe ist festgelegt. Das heißt, es ist eine Prämie von 0 Euro bis 1.500 Euro möglich, die auf mehrere Auszahlungszeitpunkte verteilt werden kann.

Die Pressemitteilung sieht eine »…Unterstützung zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn…« vor. Das bedeutet, eine Entgeltumwandlung ist nicht möglich in der Form, dass ein bestehendes Entgelt (aus einem Anspruch aus einem Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung) gekürzt wird und in Form der Corona-Prämie wieder ausgezahlt wird. Die Prämie muss somit zusätzlich zum bestehenden Gehalt gezahlt werden. Im Gegensatz dazu ist es möglich, bisher freiwillig bezahlte Prämien umzuwandeln. Um nicht in die »betriebliche Übung« zu kommen, ist es wichtig, die Prämie unter einem Freiwilligkeitsvorbehalt zu leisten.

Explizit wird in der Pressemitteilung betont, dass diese Prämie, im Gegensatz zu anderen üblichen Prämien, nicht nur steuerfrei, sondern auch sozialversicherungsfrei ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bisherige steuerfreie Zuwendungen (wie etwa Sachzuwendungen von 44 Euro pro Monat oder Kindergartenbeiträge) von der Auszahlung der Prämie unberührt bleiben und nicht im Gegenzug gekürzt oder gestrichen werden.

Zu guter Letzt wird in der Pressemitteilung deutlich (letzter Absatz), dass sich diese Prämie nicht nur an systemrelevante Unternehmen richtet, sondern an Unternehmen aller Branchen.

Soweit die wichtigsten Rahmenbedingungen zur Corona-Prämie, die als gegeben anzusehen sind.

Hintergrund der Einführung
Doch worum geht es bei der Einführung der Prämie?

Seit Ende Februar ist Corona in der ganzen Bevölkerung und damit auch bei den Arbeitgebern angekommen. Aus Gesprächen mit unseren Mandanten haben wir folgendes erfahren: Vor allem die ersten sechs bis acht Wochen waren für alle Mitarbeiter im Heilberufesektor eine besondere Herausforderung. Da mussten Aufgaben verteilt, Schichten eingeführt, gegebenenfalls Homeoffice genutzt werden. In Apotheken mussten Abstände eingehalten, Laufwege organisiert und die Beratung der Kunden den neuen Umständen angepasst werden. Für die meisten Mitarbeiter hatte Corona nicht nur Auswirkungen im Berufsalltag. In vielen Fällen musste zusätzlich das Privatleben neu strukturiert werden. Der Partner war gegebenenfalls in Kurzarbeit, die Schulen sind geschlossen und Kinder mussten betreut werden. Einige müssen sich um ältere Verwandte oder kranke Familienangehörige kümmern, die zu den wesentlichen Risikogruppen gehören. Im schlimmsten Fall war man selbst Opfer des Virus oder zumindest bestand ein Verdacht auf Infektion und eine Quarantäne folgte. Und trotz aller Widrigkeiten ist der größte Teil der Beschäftigten weiter zur Arbeit gekommen und hat zu seinem normalen Tagesgeschäft weit mehr geleistet. Es wurden Innovationen entwickelt, unaufgefordert Überstunden geleistet und unbequeme Arbeitsbedingungen akzeptiert. Von einem erhöhten Infektionsrisiko im Kundenkontakt ganz zu schweigen. Arbeitgeber haben von Angestellten berichtet, die im Rahmen der Krise aus der »2. Reihe« hervorgetreten und unerwartet über sich hinausgewachsen sind.

Um sich bei diesen Mitarbeitern für Ihren Einsatz zu bedanken und zu zeigen, dass man sich als Arbeitgeber sehr wohl bewusst ist, was diese Person geleistet hat und immer noch leistet, kann die Corona-Prämie ein wertvolles Instrument sein. Sie kann nicht die wichtige verbale Wertschätzung ersetzen. Sie könnte allerdings eine sinnvolle Ergänzung sein. Das heißt, ein Lob, zusammen mit einer materiellen Zuwendung, in welcher Form auch immer, wird dem Mitarbeiter deutlich signalisieren, wie beeindruckt und zufrieden er mit seiner Leistung und Haltung ist. Das motiviert und setzt weitere Energie frei.   

Frage der Verteilung
Mit der Prämie sind Fragen verbunden, über die man sich als Arbeitgeber im Vorfeld Gedanken machen sollte, wie zum Beispiel: »Welchem Mitarbeiter, lasse ich wieviel, in welcher Form und wann zukommen?!«

Etwas grundlegendes Vorweg: Es gibt keine einheitliche Vorgehensweise. Jeder Arbeitgeber sollte den für sich besten Weg finden und sollte anhand der individuellen Situation entscheiden, wie er den einzelnen Mitarbeiter bedenkt.

Auch dies sei der Vollständigkeit halber erwähnt: Aus Arbeitgebersicht ist es möglich, bisher freiwillig gezahlte Leistungen in eine Corona-Prämie umzuwandeln. Diese Entscheidung wird jeder Arbeitgeber für sich selbst treffen müssen.

Wenn Sie sich als Arbeitgeber entscheiden, die Prämie zu verteilen, stehen Sie vor der Frage, wer kommt dafür überhaupt in Frage? Die Spanne der Möglichkeiten ist dabei nicht so klein. Sie können, unabhängig von einer bestimmten Leistung, Arbeitszeit oder von bestimmten Arbeitsergebnissen, allen Mitarbeiter die Prämie in voller Höhe zukommen lassen. Das hat den Vorteil, dass erst einmal keine Unzufriedenheit im Team aufkommt, da alle gleich bedacht werden. Sollte es aber Ihr Ziel sein, Mitarbeitern, die durch besonderen Einsatz und Haltung aufgefallen sind, zu belohnen, ist es sinnvoller, die Prämie auch individuell festzulegen. Die Kriterien für die Festlegung kann dabei anhand von sogenannten „»Hard facts« oder quantitativen Zielen, wie Arbeitszeit, Überstunden, Innovationen erfolgen.

Andererseits sind gerade in Zeiten von Corona auch sogenannte »Soft facts« sehr wichtig, wie beispielsweise die Haltung einzelner Mitarbeiter, wie ist der Beitrag zu einer guten Stimmung im Team, wie wird sich gegenseitig unterstützt und geholfen oder wie flexibel ist der einzelne Mitarbeiter. Vermutlich geht es gerade in der jetzigen Situation nicht darum, die Mitarbeiter anhand von quantitativen Zielen im Verkauf oder Beratung zu bewerten, sondern es gilt das besondere Verhalten in einer Zeit von Angst und Unsicherheit wertzuschätzen.

Wenn Ihnen als Arbeitgeber nicht sofort klar ist, wie der einzelne Mitarbeiter zu bewerten ist, kann Ihnen eventuell eine Aufteilung und anschließende Bewertung hilfreich sein. Schauen Sie auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation doch mal auf folgende Eigenschaften und bewerten Sie diese für einzelne Mitarbeiter.

Persönliche Kompetenzen

  • Engagement und Initiative
  • Belastbarkeit
  • Flexibilität
  • Lösungsorientierung
  • Mentale Stärke
  • Positive Ausstrahlung

Soziale Kompetenzen

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Offenheit und Toleranz

Und sollten Sie Führungskräfte oder Teamleiter beschäftigen, können Sie noch Führungskompetenzen hinzunehmen, wie beispielsweise:

  • Motivationsfähigkeit
  • Überzeugungskraft
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Lösungsorientierung
  • Übergreifendes Denken
  • Entscheidungsbereitschaft

Kommen Sie trotz der aufgezählten Eigenschaften zu dem Schluss, dass alle Mitarbeiter die gleiche Prämie bekommen sollen und fühlen sich damit gut, dann ist das die richtige Entscheidung und Sie sollten sich nicht durch andere Meinungen beirren lassen. Favorisieren Sie hingegen doch lieber eine individuelle Lösung für jeden Mitarbeiter, ist es wichtig, dies auch zu kommunizieren. Jeder Mitarbeiter sollte erfahren, welches Verhalten oder welche Einstellung Sie als Arbeitgeber beeindruckt hat. Im besten Fall wird diese Erkenntnis verinnerlicht und der Effekt hält auch über die aktuelle Situation hinaus an.

Fazit
Grundsätzlich ist die Thematik von Zielboni und Prämien, um Mitarbeiter zu einer engagierten Leistung zu motivieren, nicht neu. Wenn die Krise durch das Corona-Virus, hoffentlich bald, ein Ende findet und sich wieder etwas Normalität einstellt, kommt vielleicht die Frage auf: »Was war es, dass Mitarbeiter motiviert hat, auch ohne festgelegte Ziele und Prämien so engagiert zusammenzuhalten und zum Teil überdurchschnittliche Leistung zu erbringen? Lag es tatsächlich »nur« an den besonderen Umständen der Corona-Pandemie oder war es vielleicht doch grundsätzlich die Herausforderung, die allen Mitarbeitern sofort klar und bewusst war, ohne dass der Arbeitgeber explizit darauf hinweisen musste? Was es auch war, es gilt in ruhigeren Zeiten die Situation zu analysieren und mögliche Erkenntnisse für die Zukunft abzuleiten.

Gerne stehen wir Ihnen dabei zur Seite, sprechen Sie uns an.

Anke Kunigkeit, Sven Derlien

Anke Kunigkeit

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Anke Kunigkeit
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